© Monika Bauß / Mark Wischnewski / Lucas Wischnewski 2011-2018
Saltatio Mortis Fortsetzung - Podcast
Nachdem der dunkelhaarige Jean sich ausgiebig mit Herrn Holger unterhalten hatte, sprach ihn sein Sitznachbar an. Dieser trug einen quietschebunten Anzug mit Pumpärmeln, Schnabelschuhe und eine Narrenkappe mit Eselsohren. „Hallo Spielmann! Du bist doch einer, oder?“ „Ah, tu est Till Eulenspiegel, ne sais pas?“, sagte Jean, ohne auf die Frage einzugehen. Erschrocken schaute der Mann zurück. „Ich bin Till Eugenspiegel. Woher kennst du meinen Namen? Und warum sprichst du denn so komisch?“, fragte er. „Pardon?“ Jean, der Franzose, tat so, als würde er den Mann nicht verstehen. Er hatte echt keine Lust auf schräge Vögel. „Hey, komm schon, ich will dich ein bisschen bespaßen. Wie wäre es? Hast du Lust? Ich habe schon Gott und die Welt bespaßt! Kaiser, Könige, Edelmänner, ich sag dir alles das, was du nicht hören willst, ob du es hören willst oder nicht...“ Der Eulenspiegel gestikulierte wild mit den Händen herum, wobei die Schellen an Narrenkappe und den Ärmeln nur so klimperten. Hier verstand man ja kaum sein eigenes Wort! Genervt drehte sich Jean zurück zu Herrn Holger. Doch dieser war nicht mehr auf seinem Platz. Statt dessen saß nun ein großer, breiter dunkelhaariger Mann an seiner Stelle. „Parlez vous francais?“, fragte Jean hoffnungsvoll. Grinsend schüttelte der Mann den Kopf. „Ich nix verstehn. Ich Ruski!“ Erleichtert atmete Jean auf. Er sprach ein paar einzelne Brocken Russisch. Es waren vielleicht nicht gerade die geeigneten Wörter für eine gepflegte Konversation, aber der Russe kringelte sich vor Lachen. Als Jean erklärte, wie er mal einen Wal zurück ins Meer geschoben hatte, lag der Russe japsend unter dem Tisch. Er bekam vor lauter Gelächter kaum noch Luft. Der Franzose bemühte sich, den Russen schnell wieder an die Tischoberfläche zu bekommen. Nicht, dass er noch vor Lachen da unten erstickte! Moment, war es tatsächlich möglich, jemanden so zum Lachen zu bringen, dass er daran starb? Sah fast so aus... und hinterließ keine Spuren! Jedenfalls war sich Jean sicher, dass der Russe nicht der Mörder war. Der würde mindestens zwei Größen mehr brauchen als die Kutte hatte! Und auch hier stimmte die Haarfarbe nicht überein. Der Narr dagegen... Doch dann fiel ihm ein, dass niemand etwas davon gesagt hatte, dass bei der Flucht des Unbekannten Schellen zu hören gewesen waren. Auch Alea der Bescheidene war in eine Unterhaltung vertieft. Ihm gegenüber saß ein riesiger breitschultriger Mann mit blondem Irokesen-Haarschnitt, Cargo-Tarnhose und Sonnenbrille im Gesicht. Sie unterhielten sich über den Zauber Afrikas. Dabei wussten beide, dass es nicht allein das Land war, das die Menschen verzauberte. Auch die Bewohner Afrikas kannten noch die alten Bräuche, um einen wie auch immer gearteten Zauber auszuführen... „Falls dir mal irgend jemand fürchterlich lästig ist oder dir im Wege steht... Ich kenne jemanden, der sich gut mit Voodoo auskennt... Hast du eigentlich schon gehört? Dem Bürgermeister von Gelsenkirchen soll es auch gar nicht mehr so gut gehen...“ Der Mann lachte laut. „Nein, das ist natürlich ein Scherz! Übrigens, ich bin Gisbert Hiller. Veranstalter des Mittelalterlich Phantasie Spectaculums. Du kannst auch Gisi zu mir sagen. Und falls du mal Bock hast mit nach Afrika zu fahren, ruf mich an.“ Alea war hin und hergerissen. Gisi war bestimmt ein toller Kumpel. Und er kannte Leute, die mit Voodoo umgehen konnten. Oder war das alles nur ein Scherz gewesen? Und brauchte jemand, der den Voodoo- Zauber praktizierte, eine schwarze Kutte? Ging das nicht auf Entfernung mit Nadeln in Püppchen oder so? Hatte etwa jemand von Luzi dem L ein Püppchen angefertigt und aus der Ferne im stillen Kämmerchen umgebracht? Aber wer hatte ihm dann die Maske aufgesetzt? Gisi allerdings sah eher so aus, als könnte er mit bloßen Händen einen so dünnen Hals wie den von Luzi umdrehen... Nein, in die Kutte würde Gisi auf gar keinen Fall passen. Der brauchte eher was im Format „Grizzlybär“. El Silbador zupfte dem Kommissar am Ärmel. „Ich habe gerade die Namen der anderen beiden Toten erhalten. Der eine heißt Eric Fish, der andere...“ Der Assistent schluckte und wurde ein wenig rot im Gesicht. „Ja?“, lockte der Kommissar. „Prinz Hodenherz!“, prustete El Silbador. Als er sich wieder eingekriegt hatte, sprach er weiter. „Beide waren Spielleute. Der Fish ist – war - der Frontmann von Subway to Sally, der Prinz spielte bei einem wilden Haufen namens Feuerschwanz. Das sind auch so ähnliche Mittelalterbands wie die, wo Luzi mitgespielt hat!“ Andächtig strich der Kommissar mit den Fingern seinen Bart glatt. „Bruder Rectus hatte nur von einem Musiker gesprochen. Oder hatte er einen Hass auf alle Musiker? Und warum gerade die Mittelalter- Szene?“ Darauf wusste auch El Silbador keine Antwort. Lasterbalk hatte sich den Essensvorräten gewidmet, die auf dem Tisch herumstanden. Ein Weißbrot hier, Butter dort, ein paar Kräuter, Käse, Trauben, Paprika. Ein paar Sardellenfilets, Tomaten, Zwiebel. Er schnibbelte und schnatterte, rührte und mixte was das Zeug hergab und bereitete mal eben ein paar kulinarische Delikatessen zu. Die ganze Zeit über hing Eva wie eine Klette an ihm. Was ihn natürlich nicht weiter störte... Herr Dr. Samoel wendete inzwischen das Fleisch auf dem Grill. „Kommis... Herr von Hasen-Mümmelstein, ist noch was von ihrem berühmten Nudelsalat im Auto?“, rief er dem Chef zu. Mümmelstein antwortete: „Ja, im Kofferraum. Eine ganze Glasschüssel voll!“ Lasterbalk schüttelte sich schon mal vorsorglich. Ja, auch er kannte den legendären Nudelsalat vom Hasen-Mümmelstein. Der war eine echte Beleidigung für seinen Gaumen. Dr. B. Samoel überließ kurzfristig die Grillzange El Silbador mit den Worten: „Aber nicht anbrennen lassen!“ Dr. Wu tauchte neben dem Kommissar auf. „Ist ihnen eigentlich schon der Mann mit der Kutte und der Sense aufgefallen?“, wollte er wissen. „Bruder Rectus hatte eine Sense? Nein, war mir nicht bewusst...“ gab Hasen-Mümmelstein zurück. „Nein, der doch nicht. Der Schwarze mit den Würfeln. Daneben sitzt so ein roter Typ mit Hörnchen auf dem Kopf“, belehrte ihn Dr. Wu. Nun sah auch Mümmelstein die beiden Gestalten. Da saß doch tatsächlich noch ein Mann in Kutte. Waren die Dinger etwa wieder modern geworden? Etwas mehr Sorge machte ihm jedoch die Sense, die der Typ griffbereit an seinen Stuhl angelehnt hatte. Die scharfe silberne Klinge glitzerte im Licht. Aber nicht nur der Schwarze und der Rote würfelten um die Wette. Eine dritte Gestalt war am Spiel beteiligt. „Hallo! Na, macht ihr ein kleines nettes Spielchen? Ihr wisst ja sicherlich, dass Glücksspiel um Geld verboten ist“, warnte der Kommissar. Die Gestalt in der Kutte wendete sich ihm zu. Das Blut in Mümmels Adern gefror zu Eis. Aus der Kutte grinste ihn ein sprechender Totenschädel an. „Aber natürlich, Herr Kommissar. Wir würfeln ja auch nicht um Geld! Sondern um das Leben dieses Mannes...“ Sein Knochenfinger zeigte auf eine ziemlich zugewucherte Gestalt, den Dritten im Bunde. „Ihr würfelt um die Seele eines Grottenolms? Ich dachte immer, der wäre eine Erfindung von Walter Moers...“, sprudelte es aus Mümmelstein hervor. „Hallo? Ich bin kein Grottenolm! Habe nur lange keine Zeit zum Rasieren und für den Friseur gehabt!“, fuhr der vermeintliche Olm ihn an. „Als Techniker bei einer Band bleibt einem nicht viel Zeit dazu!“ Aus der Tasche seines schwarzen Mantels holte Mümmelstein einen Akku-Elektrorasierer mit integriertem Langhaarschneider und eine Schere. „Hier, schneid dich mal ein bisschen frei!“, sagte er. Dankbar nahm der Olm die Sachen an sich und verschwand. Der Typ mit den Hörnchen hatte ein hochrotes Gesicht und am ganzen Körper rote schrumpelige Lederhaut. Die Hautoberfläche flackerte in rot-orange Tönen und er strahlte Hitze ab wie ein Backofen. Na klar, er glühte! Offensichtlich saß der Kommissar mit Tod und Teufel an einem Tisch. Hier stellte sich wohl kaum die Schuldfrage nach einem Mord. Die beiden nahmen sich einfach, wen sie haben wollten. Aber würde einer von ihnen ihr Opfer einfach mitten auf der Straße liegen lassen? Der Teufel nahm alles mit in die Hölle, was ihm in die Fänge geriet. Und der Tod? Ein dunkler gepflegt aussehender Mann mit langen Haaren und sauber gestutztem Bart setzte sich zu ihnen an den Tisch. Er hatte schöne braune Augen. Mümmelstein schaute ihn erstaunt an. „Aber der Platz ist schon besetzt! Wir warten nur noch auf die Rückkehr des Grottenolms!“ „So, können wir dann mal weitermachen?“, fragte der Mann kopfschüttelnd. „Jetzt sehe ich wenigstens in ordentlichem Zustand meinem Ende entgegen!“, fuhr er fort. Ungläubig starrte Mümmel ihn an. „Du bist der Grottenolm? Du hast ja ein richtig nettes Gesicht, wenn man mal was davon sieht. Wie heißt du?“, fragte er. „Sören“, sagte der Mann einsilbig und legte die Friseur-Utensilien vor Mümmelstein ab. „Na, dann wollen wir mal!“, sagte der Teufel voller Vorfreude. Er schüttelte die Würfel in seiner Hand und warf sie auf den Tisch. 3 mal 6. Sein dämonisches Grinsen reichte von einem Hörnchen zum anderen. Sören erblasste. Mit zitternden Fingern nahm er die Würfel auf. In dem Moment als er würfelte, berührte ihn des Todes Hand. Die Würfel harrten auf der Kante - gehalten von des Todes Blick. Kalt lächelte er in des Teufels Fratze. „Mein Lieber, so geht das nicht. Solche Tricks kannst du bei Leuten anwenden, die es verdienen. Sören hat es nicht verdient.“ Vor lauter Zorn wurde der Teufel noch röter. Sein Kopf dampfte, begann zu qualmen und ging schließlich in Flammen auf. Es zischte – und der Teufel war weg. Gutmütig klopfte der Tod Sören auf die Schulter. „Irgendwann, eines fernen Tages werde ich dich holen, aber bis dahin wird noch viel viel Zeit vergehen!“ Anerkennend nickte der Kommissar. Mit dem Tod war noch ein Geschäft zu machen, wenn es für ihn soweit war. Und bestimmt hatte der Tod Luzi nicht einfach so sinnlos dahingerafft. Und ihm schon gar keine Maske aufgesetzt! Herr Dr. Samoel kam mit dem Nudelsalat zurück und stellte ihn zu Lasterbalks Köstlichkeiten auf den Tisch. Unauffällig schob Lasterbalk der Lästerliche die Glasschüssel an den Rand des Tisches. Vielleicht würde sie ja so ganz aus Versehen vom Tisch fallen... Alea der Bescheidene war ein Stück aufgerückt und saß nun neben Till Eulenspiegel. „Du bist doch ein Spielmann, oder?“, fragte Till und klimperte an seinem Eselsohr herum. „Ja, woher weißt du das?“, gab Alea zurück. „Das hab ich doch im Urin! Schließlich zeige ich der Welt, wo es langgeht. Weißt du, es gibt nicht mehr viele Narren...“ Unermüdlich plapperte der Narr Alea die Ohren voll. Doch so sehr Alea sich auch anstrengte, er schaffte es nicht, sich abzuwenden. Keine Entspannungsmaßnahme half gegen das Gelabere in seinem Kopf. Selbst die durchtrainierten Muskeln versagten so langsam ihren Dienst. Ganz langsam sank Aleas Kopf in Richtung Brust. Die Atmung wurde schwächer, der Herzschlag langsamer. So sehr Alea kämpfte, er kam nicht dagegen an. Plötzlich bemerkte Jean der Tambour, dass mit Alea etwas nicht stimmte. Noch immer laberte der Narr eindringlich auf Alea ein. „Stopft dem Narr das Maul! Er bringt Alea um! Er labert ihn tot!“, schrie er in bestem akzentfreiem Deutsch. Auch Lasterbalk sah zeitgleich, dass hier etwas mächtig den Bach herunterging. Er griff nach der Nudelsalat-Schüssel, nahm sie auf seine rechte Hand und warf sie gezielt nach Till Eulenspiegel. Die Schüssel traf den von der Narrenkappe gepolsterten Kopf, der Narr sackte klimpernd halb betäubt zu Boden und der Salat ergoss sich über die Pflastersteine des Hofes. Anerkennend nickte Lasterbalk. „Mümmelsteins Nudelsalat ist ja doch für etwas gut!“ Ein Mann im Schottenrock, der irgendwo voll in der Ecke von Toms Drachenschänke gelegen hatte, sprang auf. Er riss sich die karierte Decke des Kilts von der Schulter und knebelte damit den bewegungslosen Narren. Zum Glück war die Decke so lang, dass er direkt die Hände mitfesseln konnte. Mit erhobener Sense baute der Tod sich hinter Alea auf. „Eigentlich will ich dich ja noch gar nicht. Mensch Jungs, macht was!“, fuhr er die Polizisten an. „Wo ist eigentlich Dr. Wu?“, wunderte sich der Kommissar. „Der wollte zum Chinesen um die Ecke, eine Kleinigkeit essen“, erklärte Herr Samoel, wie immer mit der Grillzange in der Hand. Wenn man vom Teufel spricht... kam Herr Dr. Wu in den Hof zurück. Er sah Alea in den Seilen hängen und eilte mit wehendem Kittel zu ihm hin. Nahm Aleas Handgelenk, schaute auf die Uhr und zählte. „Der Puls ist ein bisschen schwach.“ Dann öffnete er die Arzttasche und holte eine kleine Flasche Sauerstoff, eine Atemmaske und die Digicam heraus. „Ich habe lange kein Podcast mehr gemacht!“, erklärte er, nachdem er Alea notversorgt hatte. Es dauerte nur ein paar Atemzüge, bis Alea wieder zu sich kam. „Der Narr...“, flüsterte dieser mit vor Schrecken geweiteten Augen. „Ist schon gut, der sagt erst mal nichts mehr. Obwohl es mich schon interessieren würde, was sein Motiv ist!“, gab Mümmelstein zu. „Dann steck mir ein paar Stöpsel in die Ohren. Ich will ihn nie wieder hören!“, erklärte Alea erschöpft. Dr. Wu holte bunte Ohropax aus seinem Köfferchen heraus, knetete sie durch und stopfte sie Alea in die Öhrchen. Der Narr konnte leider schon wieder blinzeln und grunzen. Er konnte echt einiges aushalten! Nun rutschte die Narrenkappe herunter und zum Vorschein kamen grün gefärbte Haare. Der große Mann im Schottenrock löste nicht gerade gefühlvoll die Decke aus Tills Mund. „Jetzt pass mal auf, du Narr! Ich bin William von Rapalje und wenn du dich jetzt nicht benimmst, spring ich dir mit meinem nackten Hintern ins Gesicht! Glaub mir, das ist für dich kein Vergnügen!“, drohte er mit niederländischem Akzent. „Ich hab’s verstanden!“, murrte der Narr grimmig und schaute in die Runde. „Ich habe es so satt, ständig mit euch Mittelalterfritzen zu tun zu haben! Ewig diese uralten Lieder. Carmina Burana hier, Drehleier und Sackpfeife dort. Das Mittelalter ist so tot wie die Sprache, in der ihr singt! Und solange es Typen wie euch gibt, muss ich ein Narr bleiben. Dabei wäre ich doch so gerne ein Comedian! Einer mit Jeans und eigener Internetadresse auf dem T-Shirt... Deshalb gibt es für mich nur einen Weg: Erst wenn ich alle Spielleute beseitigt habe, dann ist auch endlich das Mittelalter tot!“ Gisi sprang auf. „Nur weil du ein Spinner bist, der Spielleute umbringt, wird das Mittelalter nicht sterben. Auch ich halte es mit meinen Veranstaltungen am Leben und Tausende von Menschen, die das MPS besuchen! Sie alle lieben das Mittelalter und auch die Musik! Stellt euch nur mal vor, er würde wie Dieter Nuhr eine ganze Halle füllen und alle Leute darin totlabern... Nein, du kannst dich in einer schalldichten Einzelzelle selbst tottexten.“ Noch bevor Till Eulenspiegel zu einer Erwiderung ansetzen konnte, hatte er schon wieder Williams Knebel zwischen den Zähnen. Nun war es an Mümmelstein, dem Ganzen ein würdiges Ende zu bereiten. Er räusperte sich. „Ich bin Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, Kommissar der Polizeiinspektion Karlsruhe-West.“ Er stockte, drehte sich ein Stück zur Seite und schaute in seine Handinnenfläche, in der in kleinster Schrift ein Roman geschrieben stand. Mit zusammengekniffenen Augen trug er vor: „Sie sind ab sofort Beschuldigter in mehreren Mordfällen. Sie haben das Recht die Aussage zu verweigern, alles was sie ab jetzt sagen, kann vor Gericht gegen sie verwendet werden. Sie haben das Recht...“ Drei Minuten später war Mümmelstein fertig; inzwischen war er an der Textzeile in der Armbeuge angekommen. Und der Narr? Der hing schon wieder halbtot auf dem Boden. Ja, auch der Kommissar verfügte über die Gabe des Todlaberns... Ja, so hatte der Narr zugegeben, dass er die drei Spielleute auf dem Gewissen hatte. Aber etwas ließ dem Assistenten keine Ruhe. El Silbador zerrte die schwarze Kutte aus der Plastiktüte heraus und hielt sie dem Narr an. Sie passte zwar, war aber insgesamt doch recht eng und kurz. Auf jeden Fall hätten die Schnabelschuhe herausschauen müssen. Und was war mit den Schellen? Die Person die geflüchtet war, war fast in der Kutte versunken und hatte auch nicht gebimmelt. Irgendwas stimmte hier nicht! „Dr. Wu, könnten sie den Narren bitte kurzfristig ins Leben zurückholen? Ich hätte da noch eine Frage an ihn“, bat er den Doktor. Dieser setzte nun dem Eulenspiegel Aleas Atemmaske auf und pumpte ihn mit Sauerstoff voll. Erschrocken öffnete der Narr die Augen. „Was hat es mit der Kutte auf sich?“, fragte El Silbador sehr direkt. Verständnislos starrte Till ihn an. „Welche Kutte?“ Mit beiden Händen hielt El Silbador das schwarze Teil hoch. „Kenn ich nicht!“, kam die klare Antwort. Plötzlich rappelte es unter dem Tisch und eine blonde Frau kam zum Vorschein. Tränen rannen über ihr Gesicht. Ihre Haare waren exakt 18,64 cm lang. Sie trug ein schwarzes T-Shirt. Schluchzend kroch sie hervor, griff nach dem nächstbesten Bierkrug und leerte ihn in einem Zug. Dann knallte sie den Krug auf den Tisch. Auf dem Rücken des T-Shirts prangte der Aufdruck „Totentänzer“. Schniefend zog sie die Nase hoch und erzählte: „Ich sah noch, wie der Narr Luzi die Maske aufgesetzt hat. Da stand schon der Sensemann neben ihm. Ich habe gesungen. Ein Lied um ihn zu bannen, vertreiben seinen Glanz. So sprang ich in meiner Kutte um Luzi herum. Doch es hat nichts mehr gebracht! Es war zu spät!“ Sie riss Elsi, äh El Silbador die Kutte aus der Hand und wischte sich damit die Tränen ab. „Das letzte Mal, als ich die Kutte trug, war ich auf dem MPS in Wassenberg. Da lebte Luzi noch. Und meine Kutte duftet noch immer nach dem Holzfeuer...“ Ein schmierig aussehender junger Mann in Sakko mit strähnigen Haaren und Mikrofon trat in den Hof. „Und hier ist wieder euer rasender Reporter. Nachdem sich hier heute ein Mord und diverse Klein-Dramen abgespielt haben, konnte nunmehr mit Hilfe unserer fleißigen Polizeibeamten der Täter gefasst werden, dem noch zwei weitere Morde angelastet werden. Man sollte es kaum für möglich halten, dass ein gewöhnlicher Narr diese unglaublichen Taten begangen haben soll... Oder war vielleicht alles doch nur ein Narren-Streich?“ ENDE
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